Communication processes are a paradise for AI agents, but the basis is often missing.

Communication processes are a paradise for AI agents, but the basis is often missing.

Interview mit: Timo Radzik, Functional Excellence Consultant, Siemens


AI-Agents gelten als nächster Evolutionsschritt nach Chatbots und Copiloten – doch was leisten sie wirklich in der Unternehmenskommunikation? Und wo stoßen sie an Grenzen? Im Interview erklärt Timo Radzik, Functional Excellence Consultant bei Siemens, wie sich kommunikative Prozesse agentisch denken lassen und warum Prozessklarheit wichtiger ist als Technologie.

AG CommTech: Timo, ganz grundsätzlich: Was verstehst du unter AI-Agents – und warum sind sie gerade jetzt relevant für die Unternehmenskommunikation?

Timo Radzik: Für mich sind AI-Agents der nächste logische Schritt nach der bisherigen KI-Nutzung. Wir kommen aus einer Phase, in der wir KI punktuell eingesetzt haben, vor allem zum Suchen und Aufbereiten von Informationen. Ein Agent geht darüber hinaus: Er führt mehrere Schritte in einem Prozess selbstständig aus. Genau das macht ihn für die Kommunikation so interessant, weil unsere Arbeit stark prozessgetrieben ist – auch wenn uns das oft gar nicht bewusst ist.

AG CommTech: Du hast in deinem Beispiel ein Media Briefing automatisiert. Was passiert dort konkret?

Timo Radzik: Ich habe einen klassischen PR-Prozess genommen, der vor Jahren ein Teil meiner eigenen täglichen Arbeit war: Jeden Morgen Artikel übers Unternehmen sammeln, die wichtigsten zusammenfassen, Tonalität bewerten, Auffälligkeiten erkennen, gegebenenfalls nochmals recherchieren und am Ende einen Report verschicken. Im Prinzip habe ich diese Prozessschritte in dem Automatisierungstool n8n abgebildet. Arbeitsschritte wie das Sammeln der Artikel und verschicken des Reports per Mail sind hier automatisiert. Und ein Agent übernimmt sogar die komplexeren Schritte, wie die Entscheidung, ob eine Anomalie vorliegt und weitere Recherche nötig ist.

Der Daily Media Briefing Workflow ist frei verfügbar.

AG CommTech: Was bringt das konkret?

Timo Radzik: In meinem Beispiel reduziert sich die Bearbeitungszeit von 30 Minuten auf etwa drei Minuten. Gleichzeitig sinken die laufenden Kosten auf die wenigen Tokens, die der Agent verbraucht. Pro Durchlauf sind es umgerechnet 2 Cent. Hinzukommt der Kapazitätsgewinn für mich. Meine Frage war nicht, was KI zusätzlich für mich leistenkann, sondern welche wiederkehrenden Tätigkeiten ich lieber vermeiden würde. Um dann mehr Zeit für strategische und kreative Aufgaben zu haben.

AG CommTech: Das klingt nach einem klaren Business Case. Wo liegt der Haken?

Timo Radzik: Der größte Engpass ist oft nicht die Technologie, sondern die Prozessklarheit. Viele Kommunikationsabteilungen arbeiten implizit prozessgetrieben, aber kaum jemand hat diese Prozesse sauber dokumentiert. Nur mit einer guten Prozessklarheit lässt sich das gesamte Potential von Agents voll ausspielen.

AG CommTech: Was bedeutet das konkret?

Timo Radzik: Es gibt zwei Wege: Entweder ich ergänze bestehende Prozesse punktuell mit KI – das ist der einfachere Einstieg. Oder ich denke den gesamten Prozess neu und setze ihn agentisch auf. Letzteres ist deutlich anspruchsvoller, aber auch wirkungsvoller. Voraussetzung ist immer, dass ich Trigger, Prozessschritte und Zielzustand klar definiert habe. Dann kann ich anfangen, einzelne Schritte zu automatisieren oder komplett zu ersetzen.

AG CommTech: Und wo sind die Grenzen?

Timo Radzik: Erstens: Komplexität. Wenn ich mehrere Agenten kombiniere, brauche ich eine gute Prozess-Architektur. Durch das Prinzip wie KI funktioniert, bleibt immer eine Wahrscheinlichkeit für Fehler und die können sich schnell summieren. Zweitens: Halluzinationen – je mehr Kontext und Verantwortung ich dem Agenten gebe, desto größer das Risiko für Fehler. Deshalb ist es wichtig, sehr klar einzuschränken, was einAgent darf und in manchen Fällen dann doch zur Automatisierung zu greifen, ganz ohne KI.

AG CommTech: Welche Skills werden künftig wichtiger?

Timo Radzik: Die Fähigkeit selbst komplexe Prozesse in einzelne Schritte zu zerlegen. Dazu kommt Zielklarheit – also die Fähigkeit, den gewünschten Output und seine Wirkung zu benennen. Und ein gewisses ROI-Denken: Mit welchem Aufwand erziele ich welches Ergebnis? Mit den heutigen Möglichkeiten gibt es kaum mehr technische Limits, Tools und Daten zu verknüpfen und KI daraufzusetzen. Es ist nur wichtig zu wissen, ob sich der Aufwand lohnt und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt nach der erfolgreichen Implementierung.

AG CommTech: Dein Fazit: Was ist machbar – und was nicht?

Timo Radzik: Machbar ist sehr viel, wenn die Grundlagen stimmen. Prozesse lassen sich deutlich effizienter gestalten, teilweise komplett neu denken. Nicht machbar ist die Vorstellung, dass Agents einfach „laufen gelassen“ werden können. Ohne klare Prozesse, guter Datenbasis und menschliches Verständnis und Kontrolle funktioniert es nicht.

AG CommTech: Danke dir für die Einblicke.

 

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