- 29. Juni 2026
- Veröffentlicht durch: Die Redaktion
- Kategorie: LESETIPPS
Digital News Report 2026

Der Reuters Institute Digital News Report erscheint dieses Jahr zum fünfzehnten Mal und gilt als die umfassendste internationale Studie zur Nachrichtennutzung. Befragt wurden Mediennutzerinnen und -nutzer in 48 Ländern zu ihrem Vertrauen in Nachrichten, ihren bevorzugten Kanälen und ihrem Umgang mit neuen Technologien wie KI-Chatbots.
Global zeigt sich ein klarer Trend: Soziale Medien und Videoplattformen haben die direkte Nutzung von Nachrichtenwebsites und Apps als wichtigsten Online-Zugangsweg abgelöst. Auch KI-Chatbots gewinnen für die Nachrichtenrecherche zunehmend an Bedeutung.
Deutschland entwickelt sich vergleichsweise stabil. ARD und ZDF bleiben die mit Abstand reichweitenstärksten und vertrauenswürdigsten Marken, das Gesamtvertrauen in Nachrichten liegt über dem internationalen Durchschnitt. Strukturell prägen den Markt allerdings tiefgreifende Veränderungen: Ein reformierter Rundfunkstaatsvertrag verlangt von den öffentlich-rechtlichen Sendern erhebliche Einsparungen, während Tageszeitungen weiter an gedruckter Auflage verlieren und gleichzeitig digitale Abonnements wachsen.
Österreich zeigt ein ähnliches Muster. Der ORF bleibt klar führend in Reichweite und Vertrauen, der Markt erlebt aber spürbare Konzentrationsbewegungen im Zeitungssektor und deutliche Sparmaßnahmen in mehreren Redaktionen.
Die Schweiz stand im vergangenen Jahr im Zeichen einer Volksabstimmung über eine drastische Kürzung der Rundfunkgebühr für die SRG SSR, die abgelehnt wurde. Trotzdem bleibt der öffentlich-rechtliche Sender unter finanziellem Druck, mit angekündigten Budget- und Stellenkürzungen für die kommenden Jahre.
Insgesamt zeigt der DACH-Raum im internationalen Vergleich überdurchschnittliches Vertrauen in öffentlich-rechtliche Medien, steht aber vor denselben strukturellen Herausforderungen wie der Rest Europas: schrumpfende Werbeerlöse, Stellenabbau und die Frage, wie der wachsende Einfluss von Plattformen und KI-Chatbots auf die journalistische Wertschöpfung beantwortet werden soll.
