Generative KI in der Kommunikation: Kreativität jenseits des Medians

Das Whitepaper „Can AI Create Beyond the Median?“ von Nanne H. C. Bos, veröffentlicht im August 2026 von der Scriptorium Initiative, untersucht, wie generative KI kreative Arbeit in Branding und Kommunikation verändert. Ausgangspunkt ist die Unterscheidung zwischen Generation und Kreation: KI kann in Sekunden plausible Texte, Bilder oder Kampagnenideen erzeugen, doch Bedeutung entsteht erst durch Auswahl, Kontext und Verantwortung.

Eine zentrale These lautet, dass KI vor allem den „kreativen Boden“ anhebt. Sie macht professionelle Ausdrucksformen zugänglicher und steigert Tempo, Variantenreichtum und formale Qualität. Zugleich zieht sie aber zum Median hin, also zur kulturellen Mitte, aus der Modelle ihre Vorschläge speisen. Wenn viele Akteure ähnliche Systeme nutzen, werden Ergebnisse kompetenter, aber gleichzeitig austauschbarer. Originalität entsteht deshalb nicht allein durch Abweichung vom statistisch Wahrscheinlichen, denn Modelle beherrschen auch die Konventionen des Unkonventionellen. Entscheidend ist, dass jemand aus hundert Vorschlägen den einen auswählt, der etwas Neues zeigt, und die restlichen verwirft.

Wer auswählt, übernimmt damit Verantwortung für das Ergebnis. Bos zeigt das am Umgang mit emotionalen Codes. Marken arbeiten mit Zugehörigkeit, Fürsorge oder gesellschaftlichem Zweck, und KI reproduziert diese Sprache mühelos. Zu prüfen, ob die Organisation dahinter etwas erlebt, gewählt oder riskiert hat, bleibt Aufgabe der Kommunikation. Ohne diese Verbindung simuliert eine Marke Überzeugung, die sie nicht hat.



Schreibe einen Kommentar