KI-Bild

Es gibt Momente, in denen eine Branche in den Spiegel schaut – und sich selbst kaum wiedererkennt. Die Ergebnisse des neuen CommTech Index Reports 2025/2026 sind genau so ein Moment. Ja, CommTech verändert die Branche. Ja, CommTech verändert Abteilungen und Agenturen. Aber die eigentliche Revolution findet woanders statt: im Kopf und im Arbeitsalltag jedes Einzelnen.

Noch nie zuvor war der persönliche Impact so deutlich messbar wie in diesem Jahr. 76 Prozent der Kommunikationsprofis sagen, dass CommTech ihre individuelle Arbeitsweise erheblich verändern wird – ein Plus von neun Prozentpunkten gegenüber 2024. Das ist der stärkste Anstieg in der gesamten Befragung. Und ein Signal, das tiefer wirkt als jede Budgetkurve oder Tool-Liste.

Während wir jahrelang über Digitalisierung als Organisationsprojekt gesprochen haben, dämmert nun: Der Wandel findet nicht in der Abteilung statt – er findet im eigenen Workflow statt.

Die Branche spürt den Wandel – aber der persönliche Shift ist größer

Wenn 83 Prozent der Befragten sagen, dass CommTech die Branche massiv verändern wird, ist das beeindruckend. Wenn 71 Prozent erwarten, dass ihre eigene Abteilung sich grundlegend wandelt, ebenfalls. Doch erst die persönliche Dimension macht klar, wie tiefgreifend die Transformation inzwischen wirkt.

CommTech ist kein Tech-Thema. Es ist ein Arbeitskultur-Thema.

Es geht um Routinen, um Verantwortlichkeiten, um tägliche Entscheidungen, um das eigene Kompetenzprofil. Oder anders formuliert: Die Digitalisierung kommt nicht. Sie sitzt längst mit im Meeting.

Die große Erkenntnis: Künstliche Intelligenz zeigt uns unsere Grenzen

2023 und 2024 war KI der große Gamechanger. Jetzt, im dritten Jahr, zeigt sich: Viele Kommunikator:innen haben die Leistungsfähigkeit der Technologien am eigenen Leib erfahren – und gleichzeitig ihre eigenen Limitierungen.

Die Erkenntnis, dass moderne Kommunikation ohne systematische Datenarbeit kaum noch möglich ist, tut weh. Aber sie ist notwendig.

Denn wie der Report dokumentiert, ist der Einsatz von KI häufig ohne echte Datenbasis – ein strukturelles Manko, das die Branche ausbremst. Viele Teams arbeiten mit generischen KI-Outputs, weil ihnen Daten, Prozesse und Governance fehlen. Das steigert nicht die Wirksamkeit – sondern den Frust. Darum ist der Shift so persönlich:
Es reicht nicht mehr, Tools zu bedienen. Man muss verstehen, was darunter passiert.

Warum die persönliche Veränderung stärker wächst als jede andere Kategorie

Der große Sprung von neun Prozentpunkten bei der persönlichen Wahrnehmung ist kein Zufall. An mindestens drei Stellen verdichtet sich der Druck:

1. Generative KI verändert die Produktionslogik von Kommunikation.

Texte, Analysen, Recherchen, Monitoring – viele Aufgaben laufen heute anders. Nicht schneller, sondern grundlegend anders. Das zwingt jede und jeden zu neuem Denken.

2. Neue Technologien verschieben Rollenprofile.

Prompting, Orchestrierung, Datenkompetenz, KI-Governance: Skills, die vor zwei Jahren kaum jemand im Profil hatte, entscheiden nun über Relevanz und Karrieremöglichkeiten.

3. Der Erwartungsdruck aus den Organisationen steigt.

Geschäftsführungen wollen Orientierung. Geschäftsmodelle ändern sich. Kommunikationsabteilungen sollen produktiver, effizienter, datengetriebener arbeiten.

Das führt zu einem einfachen Ergebnis: CommTech ist nicht mehr „nice to have“. Es ist eine Zumutung – und eine Riesenchance. Während die persönliche Transformationsbereitschaft steigt, sinkt gleichzeitig die Klarheit darüber, wo konkret Technologien eingreifen werden. Die Erwartung, dass neue Tools etwa Content-Produktion oder Social Media massiv verändern, liegt deutlich niedriger als 2024. 

Das wirkt paradox – macht aber Sinn. Die Branche weiß: Es wird groß.
Sie weiß nur nicht: Wo genau zuerst.

Fazit: CommTech wird persönlich – und genau das macht es kraftvoll

Die wichtigste Erkenntnis des CommTech Index Reports lautet:
Digitalisierung ist kein Strukturprojekt. Sie ist ein Verhaltensprojekt.

Der Wandel kommt nicht über Prozesse, Charts oder Systemarchitekturen in die Organisation. Er kommt durch Menschen, die anders arbeiten, anders entscheiden, anders lernen.

Die neun Prozentpunkte Wachstum bei der persönlichen Erwartung zeigen:
Die Branche hat verstanden, dass Transformation nicht außen beginnt – sondern innen.

Wer CommTech treiben will, braucht Tools. Wer erfolgreich sein will, braucht Haltung.



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